Die 70er und 80er
 

Die 70er und 80er Jahre

Viele Höhen – aber auch Tiefen

In der Spielzeit 1969/70 hatte Trainer Adi Knoll eine Mannschaft geformt, die unbedingt den Aufstieg in die höchste bayerische Spielklasse der Amateure, die Bayernliga, schaffen wollte. Und die Mannschaft schaffte es tatsächlich.
 
Auf neutralem Platz des ESV Nürnberg West besiegte man im Ausscheidungsspiel den ASV Neumarkt. Das große Ziel war erreicht! Zahlreiche Fans aus der Aurachstadt, unter ihnen auch das Stadtoberhaupt, Bürgermeister Hans Ort, wohnten der Begegnung bei.

Landesligameister 1969/70 und Aufsteiger in die Bayernliga – Stehend von links: R. Horn, A. Schrepfer, A. Kern, Tusche, Trippner, Graf, Deml, Strobel, Dietrich, Schuster, Dr. Baumeister, Bürgermeister Ort, 1. Vorstand A. Schacher, Spielleiter H. Willert - Kniend von links: Eckart, Knopf, Schedel, Strnad, Dorn, Weller, Kugler, Exenberger, Grimm, Trainer A. Knoll
 
Doch nicht nur die Mannschaft allein verdiente sich Lob und Anerkennung für den Aufstieg. Da waren noch zahlreiche fleißige Hände im Hintergrund, die der Mannschaft den Weg zum Erfolg ebneten: Viele Ehrenamtliche waren beispielsweise während der Saison im Einsatz, um nach ergiebigen Schneefällen den Platz bespielbar zu machen und es gab einen „Ring der Getreuen“, die sich um das Wohl der Aktiven sorgten, Funktionäre, die als Betreuer und Trainer von der untersten Schülermannschaft bis zum Reserveteam den Unterbau der Mannschaft sicherten oder zahlreiche, namentlich nicht genannte Mitglieder, die sich in den Dienst des Vereins gestellt haben.
Mitten in die Vorbereitungen zur Meisterschaftsfeier fiel dann ein bitterer Wermutstropfen: Im Juli 1970 verstarb unser 1. Vorsitzender Adam Schacher. Alfons Schrepfer übernahm dessen Aufgaben und führte den Verein in seiner ersten Bayernligasaison.
 
Der Erfolg zahlte sich auch durch den Zuwachs an Mitgliederzahlen aus: zahl-reiche Neuaufnahmen waren zu verzeichnen und 1971 war man stolz auf 676 FC-ler, darunter befanden sich 607 Beitrag zahlende Erwachsene.
Um für die Mannschaft und den laufenden Spielbetrieb alles zu tun, wurde 1971 begonnen, den „B-Platz“ für den Trainings- und Spielbetrieb der unteren Mannschaften auszubauen. Die Fa. Eyrich aus Nürnberg erhielt den Zuschlag für ihr Angebot von 153.622,34 DM. Gleichzeitig wurde der Vorschlag angenommen, das FC Gelände in „Rudolf-Dassler-Sportfeld“ umzubenennen.
 
Rudolf Dassler, der Firmengründer der PUMA-Sportschuhfabriken, erwies sich wie später sein Sohn Armin als großzügiger Gönner und Förderer des FC. So gingen beispielsweise 1971 Spenden in Höhe von 18.000 DM für die Jugendarbeit, für Schuhe und Sportbekleidung ein. Das Bindeglied zwischen dem Verein und der Firma PUMA, war trotz seiner späteren schweren Erkrankung „Sepp“ Dietrich von der Werbeabteilung der Sportartikelfirma. Er war nicht nur Mitglied im Spielausschuss sondern auch einer der Mitbegründer für den Karnevalsclub (KCH), der aus dem FC hervorgegangen ist.
Erfreulich waren auch die Zuschauerzahlen im ersten Bayernligajahr. Zahlreiche Mitglieder opferten ihre Freizeit und halfen, die Stehränge um den Hauptplatz auszubauen. eine Berieselungsanlage wurde eingebaut und am B-Platz wurden Flutlichtmasten errichtet. Auch das Clubheim wurde renoviert.
 
Am Ende der Saison belegte der Neuling 1.FC Herzogenaurach einen beachtlichen 5. Tabellenplatz in der Bayernliga, der damals noch eingleisigen dritthöchsten Spielklasse in Deutschland.
 
Schweren Herzens musste man am Ende der Saison das hoffnungsvolle Talent Benno Schuster in den Profibereich zum 1. FC Nürnberg ziehen lassen. Dafür kamen aber dank der Unterstützung durch die Firma Puma, spielstarke ehemalige Profis zu unserem „Club“. Da war einmal der in Nürnberg groß gewordene und dann nach Fürth abgewanderte Franz Zimmert. Er machte viele Jahre im Mittelfeld und als Stürmer in unserer Mannschaft Dampf vor den gegnerischen Tor. Unter Trainer Hans Nowak engagierte er sich zunächst als Co-Trainer, bevor der ehemalige Forther selbst das Traineramt übernahm.
 
Neben Franz Zimmert wechselte auch noch der viermalige Nürnberger Nationalspieler „Nandl“ (Ferdinand) Wenauer (*1939 - +1992) an die Aurach. Als Abwehrrecke hielt er die Hintermannschaft drei Jahre lang zusammen und gab wertvolle Impulse nach vorne.
 
In den 70-er und 80-er Jahren machte unser Verein durch spektakuläre Spielerverpflichtungen Schlagzeilen in der Sportpresse. Zu spielstarken Eigengewächsen kammen immer wieder namhafte ehemalige Bundesliga- oder Regionalspieler und brachte unserer Elf infolge ihres Sponsors bald die Bezeichnung „PUMA-Mannschaft“ ein.
Weitere namhafte Ex-Profis spielten in den 70-er und 80-er Jahren bei unserem FC. Erinnert sei nur an Torhüter „Gerry Neef“. Der „Schotte“ (weil er einige Jahre in Schottland gespielt hatte) kam vom Nürnberger Club. Des weiteren wurden Nürnberger und Fürther Ex-Profis verpflichtet: Manfred Ebenhöh und Norbert Knopf. Die beiden lehrten die gegnerischen Hintermannschaften über Jahre hinweg das Fürchten. Knopf trug von 1969 bis 1973 das FC-Trikot. 1970 errang er mit der Mannschaft den Aufstieg in die Bayernliga. In den drei folgenden Jahren (1971 bis 1973) war er der Torschützenkönig der Liga. 29, 26 und 30 Tore erzielte der „Nobby“ in den drei Spielzeiten.
 
Sein genialer Nebenspieler war der aus Langenzennstammende Manfred Ebenhöh. Ein Bundesligaspiel absolvierte er für den FC Nürnberg, erzielte dabei auch einen Treffer. Über die Fürther Kleeblätter führte sein Weg dann an die Aurach. In 132 Spielen, zwischen 1974 und 1978, trug er das FC-Trikot. Dabei erzielte er 83 immerhin Treffer.
 
Fahrstuhlmannschaft FCH

Insgesamt sieben Jahre spielte der FC in der obersten Amateurklasse Bayerns, in der Bayernliga. Dreimal gelang dies, und zwar 1970 bis 1974, 1977/80 und 1979 bis 1981. Nach dem ersten Abstieg aus der Bayernliga (1974) formte Trainer Hans Nowak, Ex-Nationalspieler, aktiv u.a. bei Schalke 04 und beim FC Bayern München und nun in Diensten von PUMA-Chef Armin Dassler aus einer Mischung von erfahrenen Spielern und Herzogenauracher Nachwuchstalenten eine neue Mannschaft, mit der ihm auf Anhieb 1977 Meisterschaft und Wiederaufstieg gelangen.
Die Bayernliga Euphorie währte jedoch nur ein Jahr. Infolge seiner beruflichen Beanspruchung in der Presse- und Webeabteilung bei PUMA musste Nowak seinen Posten niederlegen und wurde vom früheren Dortmunder „Goldköpfchen“ und späteren Nürnberger Mittelstürmer Franz Brungs abgelöst.
Nach einem packenden Kopf an Kopf Rennen mit dem Lokalrivalen ASV konnte der Kontrahent vom „unteren Weihersbach“ mit nur einem Punkt Rückstand auf den FC in seine Schranken verwiesen werden. 2 700 Zuschauer erlebten damals den Sieg unserer Mannschaft auf dem ASV Gelände.
Herausragende Spieler waren damals der beruflich aus Hof nach Mittelfranken übersiedelte Mittelstürmer Hermann Hofmann, der mit 31 Treffern die Torschützenkrone errang und der noch in der Jugend aktive spätere deutsche Rekordnationalspieler Lothar Matthäus, der beachtliche 21 Treffer in dieser Landesligasaison erzielte.

Meistermannschaft und Bayernligaaufsteiger 1979 – Stehend von links: Schuster, Polster, Meyer, Gansmann, Zimmermann, Schäfer, Mellinghof, Hobner, Ertl – Kniend von links: Hofmann, Strobel, Kolb, Peter, Schauberger, Matthäus, Winkler
 
Zwei weitere Jahre erlebte man am Rudolf-Dassler-Sportgelände packende Fußballkämpfe –und da sich die Firma Puma als Sponsor zurückgezogen hatte, inzwischen weitgehend wieder mit Spielern aus dem eigenen Nachwuchsbereich, wie Rudi Kolb, Franz Ertl, Josef Polster, Dieter Strobel, („Ayala“) Fred Gansmann, dem aus Nürnberg zurückgekehrten Benno Schuster sowie Spielern aus der Region wie dem Aischer Roland Hobner oder Torhüter Uli Schauberger aus Erlangen. Und dass das erst 17 Jahre alte Super-Talent Lothar Matthäus seinen Teil dazu beigetragen hat, wurde bereits erwähnt. Im Anschluss an diesen Erfolg folgte Lothar dem Ruf von Hennes Weisweiler und Jupp Heinckes zu den „Fohlen“ der Gladbacher Borussia in die Bundesliga.
 
Trainer Brungs zog es anschließend in die Ferne. Zehn Stationen u.a. in Bayreuth und Fronlach, in Schweinfurt und Kassel und in Offenbach lagen auf seinem weiteren Weg, bevor er Abschied vom Fußball nahm und sich in Nürnberg seinem Toto- und Lotto-Geschäft widmete. Auf Franz Brungs folgte ein glückloser Erich Tauchmann, der im Dezember 1980 wegen Erfolglosigkeit Abschied nehmen musste. Vorübergehend übernahm Co-Trainer Heinz Keck das Traineramt. Der junge Trainer aus Brunn/Emskirchen und spätere Erfolgstrainer beim TSV Vestenbergsgreuth und bei 08 Bamberg hatte jedoch keine Lobby beim FC. Er musste das Ruder an den erfahrenen Heinz Elzner abgeben, der die Kohlen aber nicht mehr aus dem Feuer holen konnte. Zusammen mit dem FC Haßfurt und Würzburg 04 musste der Weg in die Landesliga angetreten werden.
 
Seit den 80er Jahren konnte der FC auch nicht mehr auf die Unterstützung durch die Firma Puma bauen. Nach dem Tod von Mäzen Armin Dassler (+1990) gab es keinerlei finanzielle Unterstützung durch den Sportartikelhersteller mehr.
 
Dieter Nüssing hieß der neue Mann, der nach dem Abstieg in die Bezirksliga als Spielertrainer und nach packenden Ausscheidungsspielen den Wiederaufstieg schaffte. Im entscheidenden Spiel gegen den FC Passau hielt unser Torhüter Geier drei Elfmeter, wurde neben Nüssing, der in der Saison 31 Treffer erzielt hatte, zum gefeierten Helden und sorgte somit für eine lange Nacht im Clubheim.
 
Wie schwer es ist, sich in der spielstarken Landesliga Mitte zu halten, bekam die Nüssing Truppe im folgenden Jahr zu spüren. Man musste erneut den steinigen Weg in die Bezirksliga antreten.
 
Ein letzter Höhepunkt in der Vereinsgeschichte unseres FC war dann der 5. Juni 1987. Die Mannschaft besiegte vor 2.000 begeisterten Zuschauern - unter ihnen mehrere Hundert aus der Aurachstadt - in Ansbach den TUS Feuchtwangen, den Vertreter der Bezirksliga Mittelfranken Süd mit 4:1 Toren und stieg ein letztes Mal in höhere Regionen auf.
 
Ein Jahr konnte man sich in der Landesliga Gruppe Mitte halten, bevor es in der Folge nur noch bergab ging. Der FC machte seinem Namen von der „Fahrstuhlmannschaft“ leider alle Ehre.
 
 
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