Gründung
 

Der 1.FC Herzogenaurach wird gegründet

Der 1. Mai 1916 ist ein Montag. In Herzogenaurach herrschen frühlingshafte Temperaturen von 14 Grad und es ist Feiertag wie im gesamten Reich. Am Abend treffen sich im „Kurhotel“ Monopol (heute „Chilli´s“) 7 junge Männer.

Die sieben Gründungsmitglieder (von links): Valentin Ort, Fritz Reinmann, Heinrich Seitz, Georg Sieber, Karl Körner, Hans Heldrich, Philipp Galster
 
Für ein paar Stunden vergessen sie die Politik und die aktuellen Ereignisse. Man befindet sich mitten im 1. Weltkrieg. An mehreren Fronten tobt sein 1914 der Krieg. Im Norden findet die See-Schlacht im Skagerrat statt, im Westen lodert die Hölle von Verdun, im Osten müssen die Russen zurückgedrängt werden und im Süden stehen die Truppen im Alpenkrieg den Italienern gegenüber.
 
Und in der Heimat wird der Begriff „Ersatz“ zum Schlagwort: Statt Honig gibt es als Ersatz Kunsthonig, statt Seife als Ersatz Speckstein und statt Baumwolle als Ersatz Nesselfasern. Kein Wunder, dass man auch in der Heimat unter den Kriegsereignissen leidet.
 
Aber Philipp Galster, Hans Heldrich, Karl Körner, Valentin Ort, Fritz Reinmann, Heinrich Seitz und Georg Sieber denken nicht an Not und Elend des Krieges. Sie sind begeisterte Fußballspieler und sie wollen nur eins: sie wollen einen eigenen Fußballverein, ihren Fußballverein aus der Taufe heben:
1. Fußballclub 1916 Herzogenaurach oder kurz 1. FC Herzogenaurach 1916 soll er heißen. Der Eintrag ins Vereinsregister erfolgte mit einiger Verspätung am 01.09.1919.

Zu diesem „Fähnlein der 7 Aufrechten“ gesellen sich weitere junge Burschen, die in ihrer Freizeit dem runden Leder nachjagen. Zahlreiche heute noch bekannte Familiennamen finden wir unter den frühen Kickern: Georg Bucher, Adolf und Rudolf Daßler (damals gerade einmal 16 bzw. 18 Jahre alt), Konrad Drebinger, Hans Glas, Johann Gehr, Konrad Hagen, Hans Haselmann, Matthias Heller, Willi Heydt, Heinrich Litz, Christoph und Georg Maier, Otto Mandelkow, Georg Nerdinger, Christoph Reinmann, Georg Reiter, Georg Scharf, Hans Schobert, Konrad Schwab, Hans Seeberger, Michael Walz, Hans Welker 1, Hans Welker 2, Fritz Zehlein und Hans Zenger.
Die meisten von ihnen hatten sich bereits von der Gründungsversammlung zum „wilden Fußballspielen“ getroffen. Man kickte in der „Kalchgrubn“außerhalb des ehemaligen Würzburger Tors oder in der „Vorstadt“ östlich der Erlanger Straße. Jetzt aber sollte der Fußballsport in geordneten, fest organisierten Formen ablaufen.
Zunächst war die Gaststätte „Zum Löwen“ am Ende der Haupstraße Treffpunkt der jungen Kicker. Als erstes offizielles Vereinslokal muss aber die Gaststätte „Zur Linde“ (Familie Staudigel gegenüber dem neugebauten Liebfrauenhaus) bezeichnet werden.
 
Erster offizieller „Spielplatz“ war vier Jahre lang die Wiese westlich der Bahnhofstraße zwischen Postplatz und Aurach. In stolzer Erinnerung sprachen unsere jungen Vereinsmitglieder davon, wie sie sonntags nachmittags in jenen Gründerjahren das Torgebälk von der Vereinsgaststätte zum Sportplatz trugen und dort befestigten.

Die ersten Aktiven auf dem Sportplatz an der Aurach im Jahre 1916 (von links): Sieber, Reinmann, H.-B. Welker, Haselmann, W.-H. Welker, Körner, Litz, G. Sieber, Reiter, Seitz
 
Einen geordneten Spielbetrieb gab es infolge des Krieges in den ersten beiden Jahren noch nicht. Man trug in Ermangelung eines geeigneten Platzes Freundschaftsspiele auswärts aus. Zu Fuß, mit Fahrrädern oder auf Pferdewagen ging es zu den Gegners Plätzen! Es war eine harte, aber schöne Pionierzeit.
Um 1919 begann dann ein geordneter Verbandsspielbetrieb und langsam nahm auch das Vereinsleben fest organisierte Formen an.
 
Zahlreiche Kriegsheimkehrer verstärkten den Verein. 1919 erfolgte die Eintragung in das Vereinsregister. Im gleichen Jahr wurde das Vereinslokal von der „Linde“ weiter in die Stadt verlegt, und zwar in den „Bayerischen Hof“.
 
Im April 1921 leistete man sich bereits einen Trainer. Sportlehrer Minikus aus Nürnberg wurde mit dem Training beauftragt. Gleichzeitg wurde mit Heinrich Dörr ein eigener Spielleiter gewählt. Damals gab es in der Region vier Klassen. Der FC stieg bereits im ersten Jahr von der untersten Klasse in die A-Klasse auf.
Der FC war damals der einzige Fußballverein im Altlandkreis Höchstadt/Aisch. Folglich ging es bei den Auswärtsspielen nach Forchheim, Erlangen und Nürnberg. Noch immer „reiste“ man mit dem Pferdegespann oder mit dem Fahrrad, denn das Zugfahren war zu teuer.
 
Nach der Rückkehr von den Auswärtsspielen waren sich die Aktiven darüber im klaren: ein neuer, größerer Sportplatz muss her!

Zuletzt hatte man auf der „Geißbockwiese“, einem „Sportplatz“ rechts der Ansbacher Straße unterhalb des Goldbergangers gespielt. Obwohl ein Teil des angrenzenden Waldes abgeholzt worden war, erwies sich der Platz als viel zu klein für einen vernünftigen Spielbetrieb.
 
Daher verhandelte eine Abordnung des Vereins mit Baumeister Andreas Kurr wegen des Verkaufs der sog. „Luwigshöhe“, einem Gelände am Hans-Ottenberg. Hier wurden 1933/34 die evangelische Kirche und das Pfarrhaus gebaut (von-Seckendorff-Straße). Der Erwerb des neuen vereinseigenen Geländes brachte in der Folge einen gewaltigen Aufschwung für den FC.
 
1922 konnte hier der Spielbetrieb aufgenommen werden. Im Osten begrenzte den Platz ein Bretterzaun und im Norden befanden sich ebenfalls ein Zaun und Schrebergärten, deren Besitzer wenig erfreut waren, wenn Bälle in ihren Gemüsebeeten landeten.
 
Spannende Wettkämpfe waren auf dem „Platz auf der Ludwigshöhe“,wie man das Gelände nannte, zu sehen. Man spielte gegen des Fußballclub Bruck, die Spielvereinigung Bayern (heute TV 48 Erlangen), maß sich mit dem Fußballclub und und der Spielvereinigung Zirndorf, der Sportvereinigung Forchheim, mit Germania Schniegling, dem Fußballsportverein 83 Nürnberg und spielte gegen Schwabach.
 
Leider hatte unsere Mannschaft das Pech, am Ende der Verbandsrunde „nur“ auf dem zweiten Platz zu landen. Aber die Spiler dieser Elf kannten alle im Stödtchen: Georg Bischof, Valentin Ort, Oskar Heubeck, Christoph Reinmann, Fritz Zehlein, Christoph Maier, Baptist Reinmann, Max Ströbel, Ludwig Römmelt, Max Stadter und Joseph Körner.
 
Das Salz in der Suppe bei allen Fußballspielen sind und waren Lokalderbys. Auch solche gab es für den 1. FCH schon zu Beginn der 20er Jahre. Am 28. September 1921 hatte der Turnverein eine eigene Fußballmannschaft gegründet, die unter dem Namen Bayern Herzogenaurach auflief. Aber: unser FC wurde in all den ausgetragenen Stadtderbys nie besiegt.
 
Vier Jahre dauerte die Rivalität, bis am 6. September 1925 die Verschmelzung der beiden Vereine unter dem neuen Vereinsnamen „Vereinigter Fußballclub Herzogenaurach“ erfolgte. Doch schon 1927 sprach sich die Mitgliederversammlung wieder für den alten Namen „1. Fußballclub Herzogenaurach 1916“ aus.

Die Club-Mannschaft Ende der 20er Jahre auf der „Ludwigshöhe“ (von links): „Rupp“ Schwab, Ch. Maier, H. Rudert, H. Dürr, S. „Käser“ Körner, H. Kreiner, M. Krumm, Ch. Reinmann, F. Reinmann, M. Bucher, G. „Schorsch“ Bitter
 
Zweifellos waren die 20er Jahre ein erster Höhepunkt im Vereinsleben des FCH. Namhafte Trainer, wie Winter, der frühere Mittelläufer des FCN, und Loni Seiderer, der glänzende Mittelstürmer der Kleeblätter aus Fürths großer Fußballzeit wurden verpflichtet. Herausragender Spieler unserer 1. Mannschaft war unstreitig der pfeilschnelle Baptist Reinmann. Der Flügelflitzer wechselt im Mai 1926 zum FC Nürnberg, eroberte sich dort einen Stammplatz und wurde viermal in die Nationalmannschaft berufen.
 
Die gefürchtete Sturmreihe des FC im Jahre 1925 (von links): Reinmann, Strobel, Leinberger, Stadter, Körner

Leichtathleten, Theaterspieler und wieder ein neuer Sportplatz

Neben der hervorragenden Fußballmannschaft unterhielt der FC auch eine recht gute Leichtathletikabteilung. Unter der Leitung von Georg Schürr wurden anfangs Staffel- und Kurzstreckenläufe in der Würzburger Straße (Zwischen Garten- und Dambachstraße) wurden durchgeführt  und am Sportplatz auf der Ludwigshöhe maßen sich Leichtathleten aus den Nachbarstädten bei Sportfesten.Daneben gab es Frühjahrs- und Herbstwaldläufe durch den Donwald und um das Waldgebiet.
 
Über die rührige Theaterabteilung ist an anderer Stelle zu lesen. 1927 wechselte der Verein sein Lokal. Künftig war für 20 Jahre die Gastwirtschaft „Heubeck“ (später „Zur Tenne“) das Vereinslokal in der Hinteren Gasse. Immer wieder diskutierten Spieler und Fans darüber, dass das Gelände auf der Ludwigshöhe zu klein und den Beanspruchungen nicht mehr gewachsen sei. Eine eigens eingesetzte Kommission mit den Mitgliedern Körner, Hornfischer, Schürr, Scharf und Oed nahm die Verhandlungen um ein neues Gelände auf. Nach längeren Bemühungen und Verhandlungen mit sieben Grundstücksbesitzern erwarb man das heutige Gelände am oberen Weihersbach.
 
Aber es war noch ein langer und beschwerlicher Weg, bis hier oben auf der Höhe der Platz so hergerichtet war, dass auf ihm auch Spiele ausgetragen werden konnten. Die Mitglieder griffen zu Schaufeln und Spaten und in einer imponioerenden Leistung der zahlreichen Helfer war es schließlich geschafft: Der neue FC Platz war fertiggestellt (14. Oktober 1928).

Bild: Leichtathletikfest auf der „Ludwigshöhe“ in den 20er Jahren
 
Höhepunkt der Eröffnungsfeierlichkeiten des neuen Vereinsgeländes war ein Militärkonzert am Abend im Vereinshaus. In einer wirtschftlichen schwierigen Zeit mussten dank der freiwilligern Arbeitsleistungen nur knapp 9.000 Reichsmark aufgebracht werden und das war nur möglich, weil ein Quadratmeter Boden gerade einmal 36 Pfennige kostete.
 
Der Nationaltorwart, die Nürnberger Torhüterlegende Heiner Stuhlfauth, übernahm dank der Vermittlung durch Baptist Reinmann im Juli 1931 das Traineramt beim Herzogenauracher Club. Unter seiner Leitung wurde sofort der Aufstieg in die mittelfränkische Kreisliga geschafft. Auf neutralen Plätzen besiegte man den FC Weißenburg mit 6:0 und die „Posterer“ aus Nürnberg mit 1:0.
 
Hans Limmer, Josef Walz, Georg Limmer, Reinhold Horn, Christoph Zehlein, Christoph Maier, Jakob Körner, Adam Zenger, Georg Römmelt, Max Stadter und Adam Schacher waren damals die Helden im Städtchen. Drei Jahre hielt sich unser Club in der Bezirksklasse, dann stieg man ab: zahlreiche Verletzungen und Spielersperren waren die Ursachen.
 
 
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